4Daagse reloaded

Moin,

Die 4 Daagse - Blechedition

So, ich war ja 2016 mal da. Bei den Kollegen links von Deutschland, wenn man von unten kuckt. Die Ziehklo Züchter. Die machen da ja die 4Daagse. Und ich wollte 2016 meinen Resthüftknorpel da verbrennen. Ist auch gelungen. 2 Tage und ich war platt vor Schmerzen und ohne Knorpel. Aber für 4 Daagse fehlten halt 1 Tage. Also? Genau! Neuer Versuch.
Ende 2016 wurde aus der original Hüfte eine Titan Version und so konnte der 2018 Blechversuch gestartet werden. Um das Risiko zu mindern gab es zunächst einen Test von zu Hause aus. 40km Alsterquelle und später noch den Marsch der Industriekultur mit 2 mal 40km.
Ich habe eine Vorbereitung gemacht. Gut, oder?
Tag1
Viele sind tatsächlich gekommen:


Dann kam der Juli 2018. Genauer der 17.07. Ich war schon zwei Tage vor Ort, hatte Unterlagen parat, Dachzelt auf dem Volvo gerichtet und stand, bzw. saß kurz vor 6:00 im Startbereich und wartete. Es versprach ein warmer Tag zu werden. 27grad und mehr. Keine Wolken.


Dann um 5:00 ging es los. Scannen des Armbandes und ab dafür.
Spalier aus betrunkenen Jugendlichen. Abklatschen ohne Ende. Laute Musik. Der normale Wahn-sinn am Start. Wenige km später dann schon eher die Ruhe einer Aufwachenden Stadt, die lange Brücke über den Bach, ein netter Sonnenaufgang. Flache Einsamkeit. Ich mache gut Fahrt. Das GPS im Handy sagt mir stündlich meinen Fortschritt. Immer fein im Bereich von 5.5km/h. Läuft. Oder nein, geht. Geht flott. Ich bin zufrieden.



Der Vernunftanteil meines Hirns lauscht immer wieder in die Titan Hüfte. Alles klar da unten? Ja! Fein. Das Ding tut. Die Muskeln in dem Bereich anscheinend auch.
Die Füße soweit auch. Keine Blasen. Nur ein Feuer in der Fußsohle gegen Ende des ersten Tages. Gegen Ende der ersten 40km. 7:10 so etwas. Wow. Das war fix.
Getragen auch durch die Welle der Begeisterung die in jedem Dorf und auch mitten im nichts von den tausenden an der Strecke auf die Wanderer übertragen wird. Tolle Sache das. Fein auch, dass wieder jede Menge Gartenschläuche für Erfrischungen bereitstanden. Das Wetter verlangte danach.
Tag2
Die meisten probieren einen zweiten Tag


Früher. Nicht um 6:00 sondern um 5:00 ging es los. Die Masse der 4x40 Leute startet in zwei Wel-len. Früh und spät. Und die wechseln täglich. Heut war ich früh dran. Die Sonne würde daher später Ihr Werk an mir verrichten können.
Ich traf Mijke. Wir saßen zusammen auf der Bank vor dem Start und beschlossen zunächst zusammen zu gehen. War fein. Die ersten 20km gingen wir im Team und waren fix.


Dann traf Mikjke Freunde und wollte Pause machen. Ich nicht. Ich rollte grad so schön und ging weiter.
Die Sonne wurde wärme und ich dachte ich lass jetzt mal die Luft aus dem Speed raus. Aber dann holte mich von hinten Lars ein. Er war auf der 50er Strecke und hatte mich geschnappt. Er meinte er würde jetzt langsamer gehen und wir könnten zusammen ins Ziel. Nun ja. Er ist aber so fix, dass sein langsamer für mich immer noch schnell war. Ich gab also erneut Gas und stampfte mit Ihm Richtung Ziel.
Erreichte es auch. 3 Minuten bevor die Schalter dort überhaupt aufmachen. Krass. Der Blechmann war zu schnell. Sub 7 Stunden für knapp 40km Aber fein. So hätte ich den ganzen Nachmittag zum rumgammeln.
Tag3
Die meisten probieren auch den 3 Tag


Der Tag der Alpen. Also zumindest, wenn man sich die Gegend hier sonst so ansieht. Zunächst auch wieder alles Platt. Hier und da ein Bach. Aber platt. Dann aber so aus dem nichts einen Steigung. Nichts dolles. Vielleicht max. 80Hm, aber immerhin. Die Ecke oder das Dorf heisst auch Berg und Tal. Über Sieben Wellen musst Du gehen. Und leider nicht nur rauf. Runter merkte ich meine Muskeln. Aber die Wellen kommen ja gegen Ende und es war egal. Ich war vorher fix gewesen und hätte für die Wellen noch lockere 5 Stunden brauchen können. Brauchte ich aber nicht.


Diesmal waren die Schalter schon offen. Aber mit 7:20 war ich auch nur ein wenig langsamer als die Tage zu vor. Und ich war happy an der Stelle meines Abbruchs vor 2 Jahren entspannt vorbei marschiert zu sein. Ein gutes Gefühl.
Tag4
Party Time. Es war klar, dass nur ein böses faul meines alten Körpers mich stoppen könnte. Es passte sonst alles. Start wieder um 5:00. Mijke würde mit mir auf der Strecke sein. Zielschluss wäre erst um 18:00 statt wie sonst um 17:00 Also los. Ich hatte noch gedacht ich könnte ja auch mal eine Pause machen Mijke zu liebe und Mijke hatte sich gedacht sie könne auch mal durchgehen. Wir hatten also die Wahl.
Zunächst lief es auch wieder super. Wir waren vorn dabei und hatten freies gehen. Ist man im Hauptfeld ist es oft sehr, sehr drängelig. Leider. Aber 45.000 Menschen wollen halt alle Ihren Platz finden.
Wir hatten den Platz und kamen gut voran. Die Strecke geht schön auf dem Deich lang. Netter Ausblick über das pure nichts.


Dann kam der Moment wo Mijke dann doch mal die Füße hochlegen musste. Wir kauerten uns an den Straßenrand, aßen ein paar Kecks und feuerten die anderen Wanderer an.
Weiter ging es. Die Pontonbrücke über die Maas. Extra gebaut für die Wanderer. Dann schon die Vorläufer von Nimwegen. Die Party wird immer lautern. Via Gladiola. Ab da dann nur noch Party. Das Ziel nur noch wenige km entfernt. Wir würden vor 13:00 dort sein. Erneut ein richtig gute Zeit. Endorphin durchströmt den Körper.



Ich hatte einen sehr emotionalen Moment als wir an einem Krankenhaus vorbei kamen. Die Patienten waren an die Strecke gerollt worden. Mit Sauerstoff, EKG und allem Gerät an den Betten. Glänzende Augen in Betten und meine füllten sich auch mit Tränen. Überhaupt. Es waren Altenheime die alle Bewohner an der Strecke hatten. Kindergärten. Wertstät-ten. Vereine. Anwohner. Alle feiern diese Wanderung. Es ist ergreifend.
Geschafft. Ich habe die 4x40 gewandert. Nun könnte ich zufrieden sein. Oder müssen es doch noch mal die 4x50 werden?