Hexenstieg 2011

Die Wanderung

Moin,
Am 07 Januar sollte es eigentlich losgehen. Ich war motiviert und fit. Dann wurde leider der Wanderkumpel krank und es ging nicht los. Frust. 3 Wochen später am 28 dann aber. Es war trocken, kalt, sonnig. Perfekt. Ich war nicht ganz so fit wie vor 3 Wochen, aber egal. Der Rucksack war voll. Zu voll. Aber dazu kommen wir noch. Dabei war Futter, Kocher, Wechselzeug, Regenzeug, Gammaschen, Trinkenů Die 13kg hatte ich locker. Vermutlich mehr. Aber ich hatte auch Sorgen. Wir würden schwitzen. Wir würden durch Schnee wandern. Neuem über altem. Schnell ist da mal ein Fuß verknackt. Oder etwas anderes hindert einen am weiterkommen. Ich bin einer der dann schnell friert. Unterkühlt um genau zu sein. Ich wollte kein Risiko eingehen. Daher lieber zuviel als zuwenig.

14:45 ging es in Osterode los. Der Weg breit. Der Schnee flach. Auch dann als etwas mehr Schnee lag, waren Spuren von Autos und anderen Wanderern vorhanden. Gehtechnisch einfach. So ging es flott durch die Sonne und die klare Luft bis zum Mangelhalbertor.
Ab hier sollte alles anders werden. Es lag jetzt auch auf dem Weg Schnee. Kein Auto und nur ein Wanderer waren vor uns da. Ein Zwerg. Zumindest seiner Schrittlänge nach zu urteilen. Versuchte ich in der Spur zu gehen, tippelte ich wie auf dem Laufsteg. Also immer einen überspringen. Dann aber landete mein rechter Fuß schon mal in seinem linken Abdruck und andersrum. Eiern nennt man das. Großes Kino für die Hüfte. 13kg oder mehr drücken und der blöde Wanderer schwingt die Beinchen von links nach rechts. Rückwirkend hätte ich wohl besser meine eigene Spur in den Schnee gezogen. Aber nachher ist man immer schlauer.

Dafür ging es jetzt dem Knie wieder gut. Das hatte zuvor gezwickt. Das linke. Das welches mal geschreddert war. Darf ja zwicken. Warum ich das erwähne? Weil nach einiger Zeit im Wackel-Dackel-Gang durch den Schnee die rechte Hüfte die Hand hob und sich bemerkbar machte. Und das jetzt. Jetzt wo wir doch noch am Anfang der Wanderung standen.
Egal Hüfte, hab Du Deine Schmerzen, wir haben eine Wanderung zu machen. So ging es weiter. Der Weg wurde kurzeitig besser. Es ging ebenerdig am Harzer Wasserregal entlang. Flott waren wir unterwegs. Dann Richtung Dammgraben wurde es einsamer. Wir hatten tiefen Schnee und niemand war vor uns dort gewesen. Stapf, stapf. Die Hüfte war jetzt so präsent, dass ich dankbar war, dass ich nicht spuren musste. Immer schön als zweiter durch den Schnee.

Der Dammgraben ist waagerecht. Der Schnee war es nicht. Oben neu und unten alt. Oben vor uns keiner gegangen, unten schon. Temperatur bei -8 Grad. Alles fest. Gerades auftreten war eine Illusion. Jede Landung des Fusses brachte einen anderen Winkel. Die Hüfte war glücklich. Konnte Sie doch aufsteigen in ungeahnte Schmerzregionen. Kurz vorher hatte ich mir ohne Betäubung einen Zahn ziehen lassen. Ein Witz gegen das was ich jetzt erleben durfte.
Am Dammhaus hätten vernünftige Menschen die Wanderung beendet. Es tat fürchterlich weh. Bedingt dadurch war mein Kopf leer. Und letztlich ist es eigentlich der, der mich durch solche Abenteuer geleitet. Aber natürlich ging ich weiter. Ich wusste ich würde Thale nicht erreichen, aber auf den Brocken und runter nach Drei Annen Hohne. 56km. Das müsste doch jeder schaffen können. Also weiter.

Es folgte ein Abschnitt durch den Wald. Im Sommer ein Trampelpfad. Im Winter nicht zu sehen. Ich erinnerte viele Abschnitte und konnte teilweise sogar besser die nächsten Schritte ansagen als unser GPS. Es ging langsam aber wild romantisch voran. Licht war mittlerweile aus und so zogen zwei Taschenlampen durch den tief verscheiten Wald. Muß lustig ausgesehen haben.

Erneut kamen wir an eine Wasserader aus der Bergbauzeit und folgten dieser für viele km. Uneben war der Untergrund, der Schnee aber nicht mehr ganz so tief. Bedingt durch die Eierige Hüftaufhängung hatte sich auch die Fußhaut rechts ihre Chance gesehen und eine Blase gezüchtet. Diese verlangte nach einem Pflaster. Ich hatte arge Probleme mit den Armen den Fuß zu erreichen weil die sonst üblichen Winkel für dieses Manöver Schmerbedingt ausbleiben mussten. Aber einige ungelenke Bewegungen und eine reichliche Anzahl Flüche später, war das Pflaster dran, die Socke drüber, der Schuh in Position und die Gammasche fixiert.
Weiter ging es. Wir hatten Altenau hinter uns gelassen und bald würde der Anstieg richtung Torfhaus beginnen. Die Steile Wand. Noch ging es entlang des Wasserweges. Aufstieg. Wann immer es mal ein paar Zentimeter hoch ging versagte mein rechtes Bein den Dienst. Der Aufstieg würde also einiges an Unterhaltungswert beinhalten.

Und dann kam er. Angekündigt durch ein Schild. Schwarzes x auf gelbem Grund. Lebensgefahr! Loipen und Wege Witterungsbedingt gesperrt. Flatterband untermalt den Anspruch des Schildes. Mühsam bückte ich mich unter dem Band hindurch und schon begann der Aufstieg.
Der Weg an dieser Stelle ist noch breit. Läuft auf dem Hang. Ich zog mich mit dem linken Bein empor und versuchte dieses während der Lastphase auf dem rechten Bein so schnell nach wie möglich wieder nach vorne zu bekommen. War ich zu lange auf dem rechten Bein, so lag ich im Schnee. Ab und zu sackte es einfach durch. Nicht jeden Schmerz kann man ignorieren. Ohne Stöcke wäre jeder Schritt ein Besuch im Schnee gewesen.

Dann endlich der Pfad in der Wand. Links ging es runter, rechts rauf. Im Sommer ca. 40cm breit. Im Winter nicht zu erkennen: Unser Pfad. Bei genauer Betrachtung sah man alte Spuren. Von Vorteil war jetzt, dass die rechte Hüfte Probleme machte. Einknicken führte somit nicht zum Abflug den Hang hinunter sondern zur Bekanntschaft mit der Böschung. Primar.
Plötzlich war klar warum intelligente Menschen den Weg gesperrt hatten: Schneebruch. Bäume von oben nach unten über den Weg. Dicke Stämme. Mit Ästen dran. Klettern. Rucksack zieht, Hüfte schmerzt, Kraft lässt nach. Es war eine Runde Sache. Dann plötzlich Schlidderspuren nach unten. Wer auch immer vor uns hier war ist den Hang hinunter gerutscht und auch nicht wieder nach oben gekommen. Diskussion: Folgen wir dem Beispiel? Ich wusste aus dem Sommer: Der Weg geht immer leicht nach oben. Nach unten rollt nur der Stein, aber nicht der Weg. Aber ein Weg war nicht mehr zu erkennen. Also gefühlt auf der Höhenlinie geblieben. Was nicht leicht ist, wenn man im Abstand von wenigen Metern über querliegende Stämme klettern muß. Aber meckern ist hier völlig fehl am Platze, denn dieses Schicksal war selbst gewählt.
Ich wusste es wäre irgendwann vorbei und dann käme noch ein felsiger Weg bis zum Torfhaus. Von den Felsen hat man natürlich nicht so viel gesehen, aber ich musste häufiger hohe Stufen überwinden und habe ziemlich gelitten. Spaß geht anders.
Am Torfhaus wurden wir dann vom Vater meines Wanderkumpans gerettet. Ich war nicht mehr in der Lage noch auf den Brocken zu gehen. Immerhin will ich noch Skikaufen dieses Jahr. Das muß das Bein noch heil sein. So war die Wanderung nicht nach 90+ km zu Ende sondern nach 34. Ich war enttäuscht. Das kann man sich denken. Aber ich lebte noch, was bei der Dummheit auf der abgesperrten Strecke ja nicht soooo selbstverständlich war.

Der Hexenstieg ist wirklich nicht mein Freund. So werde ich also irgendwann im Sommer noch mal kommen und kucken was dann geht. Wäre doch gelachtů..